Die interne Bewerbung – Der Balanceakt zwischen den Berufen

Bewerbungsmappe

Intern bewerben – Wie mache ich es richtig? | Foto: I-vista / pixelio.de

Eine interne Bewerbung kann aus den verschiedensten Gründen vorgenommen werden. Viele Menschen suchen die berufliche Weiterentwicklung und haben das Gefühl, dass sie im alten Job nicht weiterkommen. Bietet ein interner Berufswechsel doch das Potential für einen großen Karriereschritt ohne zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit und ohne Verlust des bereits aufgebauten Netzwerks innerhalb des Unternehmens. Viele Arbeitnehmer haben eine starke Bindung zu Ihrem Betrieb aufgebaut, sehnen sich aber trotzdem nach mehr Abwechslung. Doch egal ob Sie sich aus beruflichen, persönlichen oder finanziellen Gründen dafür interessieren, ein interner Berufswechsel kann durchaus die Lösung Ihres Problems sein.

Nur erweist sich der Bewerbungsvorgang innerhalb des vorhandenen Arbeitsumfelds als recht schwierig. Vom diskreten Aufspüren der verfügbaren Angebote bis hin zum erfolgreichen Erlangen der neuen Stelle müssen viele Stolpersteine und Fettnäpfchen umgangen werden. Doch mit ausreichend Vorbereitung und dem richtigen Know-how meistern Sie auch diese Schwierigkeiten auf dem Weg zum neuen Wunschberuf.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Bevor Sie überhaupt die Möglichkeit haben, sich intern zu bewerben, müssen Sie erstmal die verfügbaren Stellenangebote Ihres Unternehmens genau kennen. Das Wissen über diese können Sie erlangen, indem Sie verschiedene Geschäftsbereiche, Tochterfirmen und Regionen genau unter die Lupe nehmen. Hierbei können Sie verschiedene Quellen zu Rate ziehen, die Ihnen verraten, ob ein möglicher Job für Sie dabei ist.

Einige Unternehmen besitzen ein internes Netz, das sogenannte Intranet, welches auch den aktuellen Stellenmarkt aufzeigt. Die Personalabteilung leitet in der Regel das Intranet. So bietet es sich an, von vornerein einen guten Kontakt zu dieser Abteilung zu pflegen und so früh von freien Stellen zu erfahren, die demnächst dort veröffentlicht werden. Generell ist es empfehlenswert, dass Sie Ihr eigenes Netzwerk im Unternehmen stets erweitern, um so früh von wichtigen Geschehnissen zu erfahren.

Manche Unternehmen machen auch noch von dem sogenannten „Schwarzen Brett“ Gebrauch. Solche Informationstafeln hängen oft in Fluren oder Kaffeeküchen und geben dann die ausgeschriebenen Stellen bekannt.

Leider kommt es jedoch immer öfter vor, dass die eigenen Mitarbeiter als letztes über neue Stellenangebote im Unternehmen informiert werden. In diesem Fall sollten Sie externe Quellen, wie die Presse oder Online-Jobbörsen, verwenden. Das ist zwar nicht der optimale Weg, um immer rechtzeitig auf dem Laufenden zu sein, aber es erhöht auf jeden Fall Ihre Chancen. Deshalb sollten Sie ab und an auch einen Blick auf den externen Stellenmarkt werfen.

Die Motivation für den Stellenwechsel

Sobald Sie eine potentielle Stelle für sich entdeckt haben, sollten Sie sich vorsichtig im Kollegenkreis umhören und herausfinden, wer noch von dem Angebot weiß und daran interessiert ist. Das Wissen darüber ist essentiell, wenn Sie die Verantwortlichen davon überzeugen müssen, wieso Sie der Richtige für die Stelle sind. Denn so können Sie überlegen, worin Sie besser sind als die anderen und sich die Argumente entsprechend zurecht legen. Grundsätzlich sollten Sie sehr gut darüber nachdenken, was Ihre Grundmotivation dafür ist, sich intern für eine neue Stelle zu bewerben. Sie sollten sich absolut sicher sein, dass Sie dieses Wagnis auch eingehen wollen.

Geht es Ihnen dabei hauptsächlich um mehr Bezahlung? Dann ist das ein Grund, den Sie für sich behalten sollten. Ob in der schriftlichen Bewerbung oder später im Vorstellungsgespräch, Sie müssen Ihre Motivation charmant und klug verpacken. „Ich möchte mehr Geld verdienen“ oder „Ich bin meinen alten Beruf leid“ lässt Sie passiv und bedürftig wirken. Sie sollten stattdessen Ihre Motivation so darstellen, dass der angestrebte Berufswechsel wie eine Weiterentwicklung wirkt.„In meinem jetzigen Beruf habe ich viele wertvolle Erfahrungen gemacht und meine persönlichen und beruflichen Kompetenzen gefestigt. Nun sehe ich die Chance, mich neuen reizvollen Herausforderungen zuzuwenden und mich beruflich weiterzuentwickeln.“ Diese Art der Argumentation zeigt, dass Sie aktiv an der neuen Stelle interessiert sind und die Sache ernst nehmen. Benennen Sie Erfolge aus dem vorherigen Job und überschwemmen Sie so die Verantwortlichen mit Gründen, wieso Sie der ideale Kandidat für die Stelle sind.

Schriftlich punkten

Vor dem Bewerbungsgespräch steht natürlich die schriftliche Bewerbung. Auch bei einer internen Bewerbung sollten Sie diesen Aspekt nicht zu entspannt angehen. Ein sorgfältiges Bewerbungsschreiben und ein präzise gestalteter Lebenslauf sind auch in einem Unternehmen gefordert, in dem Sie schon bekannt sind.

Das Anschreiben

Gehen Sie beim Anschreiben auf Nummer sicher und siezen Sie Ihr Gegenüber in der Anrede. Selbst wenn Sie denjenigen kennen und ein „Du“ bei Ihnen Gang und Gebe ist, wissen Sie nicht, wer noch alles mitentscheiden und die Bewerbung auch in den Händen halten wird. Hinzu kommt, dass die Bewerbung in der Regel in der Personalakte landet und Sie später nicht den Eindruck erwecken wollen, Sie hätten die Stelle aus Sympathiegründen erlangt.

Verwenden Sie viel Sorgfalt und Zeit für das Anschreiben – Es ist essentiell, dass Sie sich vorab umfangreich über die Anforderungen und Schwerpunkte der neuen Stelle informieren. So können Sie gezielt Ihre Eignung durch bisher erledigte Projekte und Aufgaben belegen: Erfolge, Erfolge, Erfolge! Sie können sich nicht besser vermarkten, als mit dem was Sie bisher erreicht haben.

Selbst fehlende Qualifikationen können Sie durch die richtigen Argumente ausbessern. Wird Führungserfahrung gefordert und Sie haben nur wenig davon vorzuweisen? Erwähnen Sie, wie Sie bei längerer Abwesenheit von Vorgesetzten, ob durch Krankheit oder Urlaub, durch Stellvertretungen die Lage gerettet haben. Weisen Sie nach Möglichkeit auch auf Projektleitungen hin.

Der Lebenslauf

Beim Lebenslauf empfiehlt es sich, diesen amerikanisch aufzubauen. Das heißt, dass die aktuellen Positionen zuerst zu lesen sind. So wird Ihre bisherige Entwicklung noch deutlicher. Dabei sollten Sie nicht viel Schnickschnack in den Lebenslauf schreiben. Ein einfacher tabellarischer Lebenslauf, mit Datum links und Ereignis rechts, stellt die Fakten Ihres Werdegangs am effektivsten dar. Sie haben aber einen gewissen Gestaltungsspielraum bei der Wahl und Benennung Ihrer früheren Tätigkeiten, den Sie auch nutzen sollten. Hier bietet es sich an, auch ältere Aufgaben zu nennen, wenn diese einen deutlichen Bezug zu den Aufgabenschwerpunkten der neuen Stelle haben.

Achten Sie auch darauf, welche möglichen Lücken sich in Ihrem Lebenslauf auftun. Es ist wichtig, dass Sie sich diesen bewusst sind, damit Sie später im Vorstellungsgespräch mit guten Argumenten auf die Fragen der Gesprächsführer reagieren können.

Das Vorstellungsgespräch

Bevor es zum eigentlichen Vorstellungsgespräch kommt, ist es von Vorteil, wenn Sie in Erfahrung bringen, welche Personen an der Entscheidung über die neue Stelle mitwirken. Wenn Sie dabei erfolgreich sind, lohnt es sich, bei den Entscheidern vorstellig zu werden und einen guten Eindruck zu hinterlassen. So können Sie vermeiden, dass einige Entscheider von Anfang an gegen Sie sind und nur die eigenen Schützlinge unterstützen.

Im eigentlichen Vorstellungsgespräch mit den Verantwortlichen zeigt sich dann, ob Ihre Vorbereitungen ausreichend gewesen sind. Das Wissen über die Schwerpunkte der neuen Stelle, über Ihre persönlichen Erfolge, über die richtige Argumentation zu den eventuellen Lücken in Ihrem Lebenslauf und über Ihre eigene Motivation – halten Sie alles bereit. Beweisen Sie Ihre Loyalität zum Unternehmen und Ihren Willen, sich beruflich weiterzuentwickeln, dann haben Sie gute Chancen.

Diskretion ist der Schlüssel

Eine interne Bewerbung setzt ein hohes Maß an Diskretion voraus. Wenn Sie beispielsweise Informationen zur neuen Stelle sammeln und dabei Kollegen im Betrieb befragen, suchen Sie stets das Vier-Augen-Gespräch. Dabei sollten Sie immer abwägen, ob die jeweilige Person vertrauenswürdig ist und Ihnen nicht Chancen verbauen könnte. Sonst kann es passieren, dass bald das gesamte Unternehmen von Ihrem Vorhaben erfährt und schlechte Stimmung im bisherigen Team aufkommt. Generell ist eine zurückhaltende Kommunikation mit den Kollegen empfehlenswert, bis Sie sich sicher sind, dass Sie die neue Stelle bekommen.

Auch sollten Sie, ob beim Bewerbungsschreiben oder im Vorstellungsgespräch, darauf achten, nicht die falschen Informationen fallen zu lassen. Wer über Betriebsgeheimnisse, Internes oder gar das Fehlverhalten des alten Chefs plaudert, wird schnell als nicht loyal angesehen und macht einen unzuverlässigen Eindruck.

Den alten Chef über den angestrebten Stellungswechsel zu unterrichten, gehört zu den delikatesten Angelegenheiten bei der internen Bewerbung. Für den richtigen Zeitpunkt gibt es keine absolute Empfehlung, da es je nach Lage und Chef unterschiedlich ist. Die Faustformel ist jedoch: Nicht zu früh damit rausrücken. Sollten Sie jedoch immer offen mit Ihrem Chef über alles reden können, können Sie auch schon früher mit ihm über Ihre interne Bewerbung sprechen. Auf Nummer sicher gehen Sie aber, wenn Sie damit warten, bis die Bewerbung erfolgreich war. Es hilft auch dem neuen Vorgesetzten einen dezenten Hinweis zu geben, dass die Bewerbung vertraulich zu behandeln ist.

Trennen Sie sich im Guten

Hinterlassen Sie auf keinen Fall verbrannte Erde bei Ihrer alten Stelle. Zeigen Sie Ihrem ehemaligen Chef und dem Team, dass Sie sich nicht einfach nur schnell verziehen und Ihnen die alte Position nicht völlig egal ist. Bieten Sie sich dafür an einen Nachfolger umfangreich einzuarbeiten und auch später stets als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Das zeigt, dass Sie nicht nur den Dienst nach Vorschrift machen, sondern dass Sie auch mit Engagement dabei sind, trotz dem Wechsel zur neuen Stelle. Schließen Sie alte Projekte ab und gestalten Sie die Übergabe sorgfältig. So machen Sie Ihren ehemaligen Kollegen den Wechsel so angenehm wie möglich.

Sollten Sie in der alten Position regelmäßigen Kundenkontakt gehabt haben, informieren Sie auch die Kunden über den Stellenwechsel – bei Kenntnis mit Namen Ihres Nachfolgers. Hinterlassen Sie Ihren Arbeitsplatz so, wie Sie ihn selber gerne vorfinden würden. Dann können Sie reinen Gewissens in den neuen Beruf starten.