Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch richtig präsentieren

„Wo liegen Ihrer Einschätzung nach Ihre Stärken und Schwächen?“ So oder so ähnlich wird diese Frage auf jeden Bewerber in einem Vorstellungsgespräch zukommen. Daher ist es ratsam, sich gut im Vorfeld auf diese Frage vorzubereiten und für sich selbst eine Stärken/Schwächen-Analyse vorzunehmen. Dazu sollten sich die Kandidaten, die zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen sind, jeweils etwa 3 bis 5 positive und negative Charaktereigenschaften überlegen. Das hilft dabei, die Persönlichkeit während des Vorstellungsgespräches gelassener zu präsentieren und hat den Vorteil, dass sich genau überlegt werden kann, welche Schwäche im Vorstellungsgespräch eingeräumt und welche lieber verschwiegen wird.

Vorstellungsgespräch: Schwächen eingestehen

Zu den sogenannten Soft Skills gehören nicht nur Charakterstärken, sondern auch Schwächen. Zumeist fällt es Jobanwärtern schwerer, die eigenen Schwächen zu ergründen und im Vorstellungsgespräch zu offenbaren, als dies bei den Stärken der Fall ist. Doch genau darum geht es: Der Arbeitgeber will prüfen, wie die Selbsteinschätzung und Selbst-Charakterisierung des Bewerbers ist.

Dabei geht es jedoch bei der Darstellung der Schwächen nicht darum, sich nun gänzlich zu „outen“ und Schwächen anzuführen, die für die zu besetzende Position von Nachteil wären. Vielmehr geht es hier um die Kunst, einen Weg zu finden, eigene Defizite möglichst in ein positives Licht zu rücken und doch bei der Wahrheit zu bleiben. Im Vorstellungsgespräch Schwächen darzustellen heißt auch, Personalverantwortliche nicht mit Standardantworten oder Floskeln abzuspeisen. So stößt die Antwort Perfektionismus oder Ungeduld auf die Frage nach Charakterschwächen inzwischen bei vielen Personalern auf taube Ohren, da diese Antworten wenig authentisch, sondern vielmehr unehrlich erscheinen. Außerdem kann die Behauptung, keine Schwächen zu besitzen, als Ignoranz, Arroganz oder mangelnde Fähigkeit zur Selbstreflexion gedeutet werden.

Nun zur Praxis: Im Vorstellungsgespräch Schwächen einzugestehen kann auf zwei unterschiedliche Weisen geschehen. Zum einen kann auf die Benennung einer Schwäche eine Relativierung derselben folgen, etwa mit dem Hinweis darauf, dass man an seiner Schwäche arbeitet, indem man dieses oder jenes tut oder bereits getan hat. Wenn jemand beispielsweise zu einer chaotischen Arbeitsweise neigt, könnte derjenige darauf hinweisen, dass er dieser Schwäche mit dem Erstellen und Abarbeiten von To-do-Listen entgegenarbeitet. Die zweite Möglichkeit ist, Eigenschaften als Schwäche zu benennen, die rein gar nichts mit der angestrebten Arbeitsstelle zu tun haben. Wichtig für die Darstellung von Schwächen im Vorstellungsgespräch ist in jedem Fall, ehrlich zu sein (auch zu sich selbst), aktiv mit den Schwächen umzugehen und vor allem zu signalisieren, dass man den Willen und die Bereitschaft dazu hat, an den Schwächen zu arbeiten.

Stärken: Individuell und authentisch überzeugen

Das A und O bei der Darstellung der Charakterstärken ist die Art und Weise der Präsentation. Zwar fällt vielen die Aufzählung von Stärken leichter, als im Vorstellungsgespräch Schwächen einzuräumen, aber genau das sollte vermieden werden: eine reine Aufzählung. Wenn im Vorstellungsgespräch die Vorzüge aufgeführt werden sollen, dann ist es unbedingt notwendig, die Stärken anhand von konkreten Beispielen näher definieren zu können. Wichtig hierbei ist auch, dass Bewerber, ähnlich wie bei den Schwächen, keine Standardantworten anführen sollten.

Authentizität und Individualität sind hier die entscheidenden Richtlinien zur Darstellung der persönlichen Stärken. Dabei bietet es sich an, etwaige Stärken anhand von praxisnahen Beispielen zu erläutern. So sollte Bezug genommen werden auf vorherige berufspraktische Tätigkeiten, auf Praktika, auf außeruniversitäre oder auf soziale Tätigkeiten. Der Fokus sollte bei der Darstellung der Schwächen auch darauf liegen, einen Bezug zur angestrebten Position herzustellen und damit die Personalverantwortlichen positiv von sich zu überzeugen. Genauer: Der Personaler muss davon überzeugt werden, dass der Bewerber genau der Richtige für die zu besetzende Stelle ist. Wichtig ist, bei den Stärken auch bei der Wahrheit zu bleiben. Es nützt schließlich nichts, Stärken anzupreisen, die bei Aufnahme der Tätigkeit nicht eingehalten werden können.